Hans von Tresckows Memoiren sind weit mehr als eine bloße Sammlung von Erinnerungen eines Kriminalkommissars. Auf 240 Seiten bietet das Buch einen faszinierenden, oft schillernden Einblick in die Ermittlungsarbeit der Berliner Polizei im Wilhelminischen Zeitalter. Für Liebhaber historischer Krimis und vor allem für Autorinnen, die ihre Werke mit authentischen Details anreichern wollen, stellt dieses Werk eine unverzichtbare Recherchequelle dar. Es transportiert nicht nur Fälle, sondern die Atmosphäre einer Epoche, die zwischen rigoroser Ordnung und hintergründigem Chaos der Moderne schwankt.
Das Besondere an Tresckows Memoiren ist seine Vielseitigkeit an Themen und Erfahrungen. Der Leser begleitet nicht nur bei den Ermittlungsmethoden der Berliner Polizei, sondern auch einen adligen Kommissar, der sich in unterschiedlichsten gesellschaftlichen Milieus bewegt. Zum Jagdwochenende aufs Land oder beim Bewundern des ersten Schalldämpfers, der im Berliner Tiergarten bei einem Wilderer sichergestellt wurde. Diese Details sind Gold wert für jeden, der historische Krimis schreibt.
Tresckow führt uns zudem durch Weingelage mit Hochstaplern, die den sozialen Abstieg und die Doppelbödigkeit der Zeit offenbaren, zu Ermittlungen in Sachen Erpressung nach London und einem internationalen Mädchenhändlerring, was dem Buch eine weltoffene Note verleiht. Aber er deutet auch das Säbelrasseln am Vorabend des ersten Weltkrieges an. Die obligatorische „Bärenführung“ durch die Berliner Unterwelt ist dabei kein metaphorisches Bild, sondern eine handfeste Darstellung von üblichen Polizeimethoden zu dieser Zeit. Die Mischung aus sozialkritischer Beobachtung und spannender Fallbeschreibung macht die Memoiren zu einem Zeitzeugnis.
Aus heutiger Sicht muten einige Schilderungen mehr nach Unterhaltung und Spaß an als nach handfesten Polizeiermittlungen. Die Perspektive ist eindeutig die des Beamten; die Sicht der Opfer oder der Unterschicht bleibt oft im Hintergrund oder wird durch die Linse der männlichen Autorität betrachtet. Zudem wirkt der Text für heutige Leser opulent und überladen. Hans von Tresckow ist eindeutig ein Mann seiner Zeit und man merkt ihm seinen Adelstitel und gewisse Etikette an.
„Von Fürsten und anderen Sterblichen“ ist ein wunderbares Dokument, das die Arbeit der Kriminalpolizei im Kaiserreich mit einer Mischung aus Humor, Ernsthaftigkeit und technischem Interesse beleuchtet. Für Fans von historischen Dokumentation ist es ein Muss, für Autorinnen eine Schatzkiste an Details. Trotz der zeitbedingten Sprachgewohnheiten und der einseitigen Perspektive bleibt es eine der besten Quellen, um die Berliner Polizeiarbeit und das Leben im kaiserlichen Deutschland authentisch nachzuzeichnen. Und angeblich war Ernst Gennat auch Ziehsohn von Hans von Tresckow. Auch wenn er ihn nicht explizit erwähnt, müssen sie sich aus dem Berliner Polizeipräsidium am Alexanderplatz gekannt haben.

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